Als Redaktionsleiterin zweier kleiner Lokalzeitungen habe ich jahrelang die Leserschaft manipuliert. Ich habe sie mobilisiert, gegen mich oder andere aufgebracht, für ein Thema sensibilisiert und bei kommunalen Abstimmungen entscheidend beeinflusst. Ich hab meinen Lesenden Gesprächsstoff für den Stammtisch und die Migros-Kasse geliefert, hab ihnen versteckte landschaftliche Schönheiten und verdeckt gehaltene Dreistigkeiten verraten, hab ihnen bisher unbekannte Menschen aus ihrer Region vorgestellt und ihnen Platz für den Austausch von Meinungen oder nicht mehr benötigtem Krimskrams geboten.
All das hat sie zu Handlungen oder Ansichten manipuliert. Dabei habe ich eines gelernt: Kommunikation ist immer auch Manipulation. Nun ist Manipulation nicht gerade ein beliebtes Wort. Betrug und Verführung sind Synonyme dazu, weshalb kein Kommunikator freiwillig zur Manipulation steht. Und doch findet sie statt. Mit jedem Brief an die Belegschaft, mit jeder Firmenzeitschrift, mit jedem Eintrag im Intra- oder Internet. Man bringt Mitarbeitende mit einer Kündigung gegen sich auf und Kunden mit einer Preiserhöhung. Die Medien mit einem Stellenabbau und die Internetgemeinschaft mit nutzlosem Inhalt. Man erzieht seine Kommunikationskonsumenten mit inhaltlosen Informationen zur Gleichgültigkeit oder schreckt potenzielle Kunden mit falschen Werbeversprechen ab. Kurzum: Man manipuliert.
Wer dem Schreckensgespenst Manipulation jedoch tapfer ins Gesicht blickt, kann es bannen. Erkennt man die Beeinflussung in seiner Kommunikation mit der Innen- und Aussenwelt, kann man sie plötzlich bewusst steuern. In einen positiven Kommunikationsprozess mit Mitarbeitenden, Kunden und Öffentlichkeit umwandeln. Und blitzartig wird aus dem negativ behafteten Wort Manipulation was ganz Wunderbares. Mitarbeitermotivation beispielsweise. Oder Kundenpflege. Ein Wir-Gefühl entsteht innerhalb der Firma, man baut sich ein positives Bild in der Öffentlichkeit auf, die Marke wird vertrauenswürdiger und attraktiver – und alles schlägt sich im Laufe der Jahre positiv im Unternehmensergebnis nieder. Obwohl man streng genommen immer noch manipuliert. |
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen