Spitze Federn, Kollegenlob und so was wie ein Primeur
Preisverleihung «Journalisten des Jahres 2007»Der Marathon an Ehrungen, Laudationen und Ansprachen war eine Stunde kürzer als die letzten Jahre. Die unterschiedliche Qualität war dieselbe. Die meisten Lacher und die höchste Aufmerksamkeit erntete nicht etwa einer der zahlreich erschienenen Medienschaffenden, sondern der einzige anwesende Politiker. Der Wein liess manche Zunge stolpern und Verleger aus dem Nähkästchen plaudern. Das die Quintessenz der gestrigen Preisverleihung «Journalisten des Jahres 2007».
Markus Notter, Regierungsrat des Kantons Zürich, hat alle Medienschaffenden ausgebootet. Er, der einzige Politiker im Raum, sprach für den «Tagesanzeiger», Gesamtsieger als Redaktion, ein Laudatio, bei dem kaum ein Auge trocken blieb. Gekonnt nutzte Notter die Spannung zwischen politischen und journalistischen Interessen, witzelte über Chefredaktoren und Interviewer in solch einem Tempo und mit einer so gelungenen Dramaturgie, dass seine Rede um Äonen kürzer schien als alle anderen.
«Sonntag» ab März auch in Zürich
Wie so oft bei solchen Anlässen fanden die wirklich wichtigen Gespräche aber nicht auf dem Hauptschauplatz statt. So hat beispielsweise Verleger Peter Wanner aus dem Nähkästchen geplaudert: «Sonntag» solle ab 1. März auch in Zürich via Frühzustellung erhältlich sein. Offiziell bestätigt hat er diese Meldung jedoch noch nicht, die dementsprechende Anfrage wurde noch nicht beantwortet. In der Schweizer Medienhauptstadt weitet sich die Blätterschlacht also voraussichtlich auf den Sonntag aus. Der einzige, nicht hart umkämpfte Tag ist Samstag. Wie lange es wohl dauert, bis ein Verleger diese Marktlücke entdeckt und sie schliesst?
Kollegenlob und nur selten ein Hauch von Häme
Selbst die härtesten Konkurrenten zeigten sich gestern jedoch unerwartet handzahm. Kollegenschelte gabs kaum, nur hie und da etwas Spott, wie er auch bei Menschen auftritt, die sich sehr mögen und über den Spottender und Verspotteter gleichermassen herzhaft lachen können. Kaum zu glauben, dass diese, miteinander scherzenden Medienschaffenden Tag für Tag mit allen Mitteln um die immer knapper werdenden Leser und Inserenten kämpfen. Die harte Realität holte diejenigen jedoch unbarmherzig wieder ein, die den Fehler begingen, bis zur Ehrung des Hauptsiegers zu bleiben.
Constantin Seibt, Gewinner in mehreren Kategorien und offizieller «Journalist des Jahres 2007», liess dem Laudatio von Karl Lüönd seinerseits eine ausgedehnte Rede folgen, in welcher er die veränderten Bedingungen für Journalisten bedauerte und zum (leider sehr späten) Schluss kam, seine Auszeichnung gelte nicht ihm, sondern seinen Rahmenbedingungen. Denn nur Dank der Zeit, die er zur Verfügung habe, und der Unterstützung von Verlag und Redaktion könne er überhaupt auszeichnungswürdige Texte verfassen. Dass Seibt Zeit im Überfluss braucht, auch wenn er sie nicht zur Verfügung hat, unterstellte ihm sein Laudator Lüönd. Seibt treibe regelmässig die Abschlussredaktoren zum Wahnsinn, wenn er wieder einmal kurz vor Druckbeginn nach der besten Formulierung suche, statt sich mit der erstbesten zufrieden zu geben. Wohl jeder im Saal hatte nach Seibts unprogrammmässigen, dafür umso ausgedehnteren Rede volles Verständnis für alle Abschlussredaktoren, die jemals auf einen seibtschen Text warteten.
Service hui, Küche ...
Nachdem das Feuer die Veranstalter ihrer traditionellen Lokalität beraubt hatte, fand die Feier dieses Jahr im Carlton statt. Auffallend war vor allem die Gastfreundlichkeit sowie das Dienstleistungsdenken der Frontmitarbeiter. Ebenso beeindruckte die straffe Organisation von Küche und Service, dank der die einzelnen Gänge fast zeitgleich bei allen Gästen eintrafen. Nach einem hervorragenden Auftakt bei den Amuse-Gueule war die Enttäuschung über die Küche umso grösser. Die Vorspeise war an sich sehr lecker, Salat und Pilze an einem feinen Dressing, jedoch war – zumindest auf dem Teller der Artikelverfasserin – die Salatdekoration mit schwarzen Flecken übersät, was den Appetit spürbar minderte. Der zweite Gang bestand aus einer Suppe, deren Geschmack von Ingwer dominiert wurde und der Hauptgang aus Huhn mit Basmatireis an einer Sauce, deren Geschmack ebenfalls von Ingwer dominiert wurde. Selbst wenn man Ingwer mag, ist ein Menü mit zwei aufeinanderfolgenden, ausser-nach-Ingwer-nach-fast-nichts-schmeckenden Gängen einem Haus dieses Renommees schlicht nicht würdig. Das Dessert, Toblerone-Mousse und Glacé, machte diese Unzulänglichkeiten aber beinahe wieder gut.
Fester Termin in der Branchenagenda
Die Ehrung der «Journalisten des Jahres», durchgeführt vom Branchenmagazin «Schweizer Journalist», hat sich seit der Lancierung vor rund drei Jahren gemausert, was die illustre Gästeschar eindrücklich belegte. Das Konzept des Verlegers Hans Oberauer geht auf. Zukünftig werden die Plätze an dieser Veranstaltung wohl noch begehrter sein, als sie es schon sind. Der feierliche Anlass wird übrigens auch vermehrt von der Wirtschaft fürs Netzwerken mit Medienschaffenden genutzt. Die Zahl der anwesenden Pressesprecher grosser Unternehmen nimmt stetig zu. Unbestritten auf der Pole Position liegt jedoch ABB Schweiz, welche die Feier zu hundert Prozent sponsort.
Und in eigener Sache: Danksagung
Ein dickes Dankeschön an Markus und Hans für die immer spannenden Aufträge für den «Schweizer Journalist» und natürlich die Organisation des lässigen Abends. Und natürlich merci an die ABB, die unser aller Zeche bezahlt hat. Danke meinen Tischnachbarn für die anregenden Gespräche. Und ein besonderes Dankeschön an den Unbekannten gestern nach Mitternacht im 14er-Tram, der mit mir am Löwenplatz ausgestiegen und bis zur Bahnhofunterführung gejoggt ist, damit ich den 00.10 Uhr Zug, den allerletzten Zug nach Hause. noch erwische!




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