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20 September 2007

Vetterliwirtschaft oder doch besser Professionalität? Oder weshalb die SVP nur Zweite ist

Zwar habe ich grad gestern einen Artikel über Netzwerken veröffentlicht, dennoch möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für die Professionalität brechen.

Weshalb ich diese zwei Themen einander gegenüberstelle? Weil beispielsweise die Vetterliwirtschaft oft dazu missbraucht wird, jemandem Professionalität abzusprechen. Hat einer Erfolg, tauchen unweigerlich Neider auf. Und Neider sprechen dann gern von Vetterliwirtschaft, oder vom linken Filz im Internet, um dem Erfolg seine Würze zu nehmen. Oder von Geheimplänen. Oder von Intrigen.

Wenn es um Politik geht oder um Religion, dann schlagen die Emotionen bisweilen hohe Wellen. Professionalität bleibt da meist auf der Strecke. Obwohl dies den meisten von uns, die wir regelmässig in der vogelfreien Welt des Internets unterwegs sind, bekannt ist, erschrecken manche Kommentare doch sehr. Durch die darin zum Ausdruck kommende Gewaltbereitschaft, die persönlichen Angriffe oder gar konkreten Drohungen. Gut, verhalten sich wenigstens die beiden Betreiber der hier verlinkten Blogs professionell und geben die Zügel nicht aus der Hand.

Test der Partei-Pressestellen
Professionalität ist also vor allem bei emotional bewegenden Themen sehr wichtig. Und da die Wahlen hierzulande anstehen, bewegt Politik gerade sehr. Über die Emotionen der zur Wahl Stehenden, über die Intrigen für oder gegen sie, haben wir schon genug gelesen. Richtig wohltuend, dass die Branchenzeitschrift "Schweizer Journalist" in ihrer aktuellen Ausgabe die Partei-Pressestellen bezüglich ihrer Professionalität unter die Lupe nimmt.

Eins gleich vorweg: Trotz der hohen Medienpräsenz liegt die SVP nicht auf Platz eins. Da liegt überraschenderweise - ebenfalls gemessen an der Medienpräsenz - die FDP. Sie hat sowohl für den Web-Kontakt, als auch für die Reaktionszeit und die Informationsqualität eine glatte Sechs bekommen (für die deutschen Leser, sechs ist die Höchstnote). Auf den zweiten Platz hat es die SVP auf Grund der Info-Qualität verschlagen, was, so könnten böse Zungen behaupten, für diese Partei nicht untypisch ist. Ebenfalls auf dem Podest mit dem dritten Platz liegt die SP, sie erreicht die Gesamtnote fünf. Eine drei für die lange Reaktionszeit reisst ihren Durchschnitt herunter, in den beiden anderen Bereichen erhält auch sie die Höchstnote.

Ungenügende Leistung der Grünen und der CVP
Zwei der geprüften Parteien erhielten ungenügende Noten. Die Grünen beantworten die Anfrage erst nach mehrmaligem Nachfassen und mehreren Tagen. Auch beim Webauftritt und der Informationsqualität punkten sie nicht optimal. Abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt die CVP. Die Website erhält nur eine Vier, die Info-Qualität immerhin eine fünf, die Reaktionszeit eine glatte Eins.

Zur Erinnerung: Pressearbeit ist ein stressiges Geschäft. Medienschaffende brauchen oft innert Stunden konkrete und informative Antworten auf ihre Fragen. Weil der Redaktionsschluss drängt. Medienanfragen auf Grund von Ferienabwesenheiten mehr als eine Woche liegen zu lassen, ist höchst unprofessionell.

Auch wenn Professionalität, wie dieser Test zeigt, nicht automatisch eine hohe Medienpräsenz mit sich bringt, so kann sie die Kommunikation mit der Öffentlichkeit doch erheblich erleichtern. Und zwar für beide Seiten, die Medienschaffenden und die Parteiverantwortlichen.




PS: Interessensaufklärung
Bevor weitere Vetterliwirtschaft-Gerüchte in Umlauf gesetzt werden, lege ich hier meine Interessen offen.

  1. Ich bin zwar ständige Mitarbeiterin des "Schweizer Journalis", aber nicht Verfasserin des genannten Tests.
  2. Der Test der Partei-Pressestellen wird an dieser Stelle nicht auf Grund meiner Tätigkeit für den "Schweizer Journalist" erwähnt, sondern weil er so gut zu den hitzigen Diskussionen in Blogs der letzten Tage passt.
  3. Ich erhalte kein Geld, keine Naturalien, keine andere Zuwendungen oder Begünstigungen dafür, dass ich die getesteten Parteiseiten sowie die verlinkten Blogs verlinkt und den besprochenen Test besprochen habe.
  4. Und auch wenn ich im obigen Satz zweimal das Wort "verlinkt" verwendet habe, ist das kein Hinweis darauf, dass ich politisch ver-linkt bin!

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