Blog-Umfrage - da stehen die Resultate schon jetzt fest
An Umfragen zu interessanten Themen nehme ich gerne teil. Umfragen sind nämlich meiner Meinung nach gute Barometer für Stimmungen und Trends in bestimmten Themenbereichen. Deshalb nahm ich mir auch die Zeit für die Blog-Umfrage von Tino Seeber. Doch bei vielen Fragen standen mir die Haare zu Berge. Die sind nämlich so manipulativ gestellt, dass die Umfrageergebnisse bereits zum Voraus feststehen. Einige Beispiele:
In Weblogs findet man relevante Informationen, die man in traditionellen
Medien kaum findet.Ein Grund für das wachsende Interesse an Weblogs ist, dass viele Menschen
mit den traditionellen Medien unzufrieden sind.Weblogs sind finanziell unabhängiger als traditionelle Medien.
Weblogs sind kritischer als traditionelle Medien.
Man siehts, hier ist ein Blogger am Werk, der vom Sieg der Weblogs über die "traditionellen Medien" überzeugt ist und den Untergang vom Tages-Journalismus nur für eine Frage der Zeit hält. Auch scheint Seeber die Weblogs als würdige (respektive bessere) Nachfolger der heutigen Medienschaffenden zu halten, wie er mit seinen Fragen zur journalistischen Relevanz von Weblogs und journalistischen Kompetenz von Bloggern offenbart.
Ich wiederhole mich: Weblogs und traditioneller Journalismus sind zwei verschiedene Gefässe, die sich hervorragend ergänzen und die viel voneinander profitieren können. Kleinkrieg schadet nur beiden, Bloggern und Journalisten.
Wer bei dieser Blog-Umfrage trotzdem mitmachen will, kann übrigens ziemlich leicht dem Seeber seine Suppe versalzen. Einfach bei den manipulativen Fragen das Gegenteil von dem ankreuzen, was eigentlich suggeriert wird. Bei Bedarf helfe ich gerne dabei ;-)




3 Kommentare:
Ich gebe dir recht: die Ergebnisse stehen schon fest, insbesondere weil die Zielgruppe Blogger sind. Die suggestiven Fragestellungen hätte man einfach durch eine attribuierende Fragestellung vermeiden können. Auch ist mit der Begriffswahl "traditionelle" Medien eine spezifische Einstellung evoziert.
sorry - noch ne Ergänzung: Gefahren von Blogs werden überhaupt nicht thematisiert: Was hat Habermas sinngemäß mal formuliert: Die Blogosphäre ist ob der Vielzahl von Informationen und Themen dafür verantwortlich, dass die Fokussierung auf relevante Themen verloren gegangen ist, währende die traditionellen Öffentlichkeiten gesellschaftlich relevante Themen noch fokussierten und die kritische Aufmerksamkeit auf eben diese Themen lenkten.
Und die Zielgruppe Blogger springt munter darauf an... Hauen lustig auf die angeprangerten, "traditionellen" Medien ein.
Die Banalitäten in der Öffentlichkeit haben wirklich markant zugenommen. Was aber generell mit der vermehrten Zulassung von Leser-/Bürger-Texten zusammenhängt. Also kein reines Weblog-Phänomen (auch wenn das die Blogger gerne behaupten), sondern eine Zeiterscheinung. Nicht dass ich das prinzipiell ablehne, im Gegenteil. Aber ich propagiere schon seit Jahren, dass man Lesenden, die auch schreiben sollen, erst die Grundlagen der journalistischen Fokussierung beibringen sollte. Was an sich nämlich gar nicht so schwer ist. Habe genau aus diesem Grund einen PDF-Lehrgang geschrieben, mit dem man sich die wichtigsten Regeln einfach und schnell aneignet.
Verzeih bitte diese kurze Werbeeinblendung, aber das Thema trifft genau den Punkt, den ich seit längerem verfechte. Es beunruhigt nämlich schon, zuzusehen, wie viele Menschen publizieren, ohne sich auch nur der rudimentärsten Gefahren bewusst zu sein. Ans Steuer lässt man niemand ohne fachliche Begleitung oder einem sinnvollen Mass an Ausbildung. Weshalb dann an die Tastatur?
Und wem dieser Vergleich jetzt übertrieben vorkommt: Auch Sprache ist tatsächlich ein scharfes Werkzeug, das ernsthaft Menschenleben gefährden kann. Beispielsweise belegen Studien, dass Berichte über Selbstmorde weitere Selbstmorde auslösen können. Zum ersten Mal trat dieses Phänomen durch Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" auf. Das ist der Grund, weshalb in den Medien möglichst auf Berichterstattungen in diesem Bereich verzichtet wird. Und solche Tabuthemen zum Wohle der Lesenden gibts noch mehr. Doch wie lange noch?
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