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04 November 2006

... ausser wir werden verarscht (SwissBlogPress)

So, der Samstag ist gerettet! Statt Langeweile (die erste diese Woche) massenhaft spannender, emotionaler, triumphierender, unter-der-gürtellinie-treffender oder gar elitärer Lesestoff.

Das Thema: SwissBlogPress.

(Sorry, liebe SBP-Blogger, wenn ich euch so schreibe, aber das liest sich eindeutig besser als swissblogpress)

Die Wogen schlagen hoch in diesem Wasserglas namens Blogosphäre. Zahl und Art der Einträge und Kommentare lässt auf eine grosse, stille Leserschaft schliessen, die einfach noch zuguckt, wie sich das Ganze entwickelt. So wie ich bis eben.

In der Blogwelt begonnen hat das Ganze mit dem Durchsickern erster Informationen, denen die offizielle Info folgte, welche dann von "heute" aufgenommen wurde. Worauf ein kleines Spektakel losbrach über elitäre oder nicht elitäre Blogs. Insbesonders lesenswert sind die Überlegungen des Bugsierers, hier und hier, die Seite der IG Förderverein SwissBloggus, sowie weitere Posts hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Ihr seht, da ist wirklich genug Material, um einen ganzen Samstag zu füllen ;-)

Mich erstaunt es überhaupt nicht, dass SwissBlogPress auf so viel "kritische Presse" stösst. Und mich erstaunt noch weniger, dass die mangelnde Kritikfähigkeit der Mitglieder, die fehlende Dialogbereitschaft sowie die Schönrederei den meisten sauer aufstösst. Seit meinem Sprung aus dem Nirwana in die beachtetet Gefilde habe ich einiges über Blogs und Blogger gelernt, auch wenn ich nie behaupten würde, ich wüsste schon alles (also hängt mir jetzt ja nicht das Etikett "elitär" an, Leute!).

Fazit 1: Die Kommunikation von SwissBlogPress ist grottenschlecht.


Dass ausgerechnet Blogger so kommunizieren, ist schon erstaunlich. Gerade sie sollten doch wissen, dass mit Mauscherei und schwammigen Ausflüchten solche Posts geradezu herausgefordert werden. Man könnte allerdings vermuten, dass die Bekanntmachung von SwissBlogPress mehr aus der Not heraus geschah. Befürchtete man, dass einige der Blogger, die davon wussten, aber nicht Mitglieder wurden, die Gründungsabsicht veröffentlichten? Und was genau befürchtete man in diesem Fall? Schlechte Presse (die man ja jetzt auch hat)? In diesem Fall könnte man auch weiter vermuten, dass nicht nur die Gründungsinformation, sondern gar die Gründung aus der Not heraus stattfand?


Fazit 2: Die Gründung von SwissBlogPress ist misslungen.

Nicht nur mangelnde Kommunikation, sondern auch mangelnde Professionalität, fehlende Regelwerke und Ziellosigkeit werden SwissBlogPress vorgeworfen. Und tatsächlich scheint kaum ein Mitglied genau zu wissen, wohin denn die Reise von SwissBlogPress geht. Zur Erinnerung: Verbände oder Gewerkschaften sind meistens vereinsähnliche Gesellschaften mit Statuten. Mit Mitgliederbeiträgen, welche Verwaltung, Kommunikation und Lobbying abdecken. Wie hoch ist eigentlich der Mitgliederbeitrag bei SwissBlogPress? Hat danach schon mal jemand gefragt?


Fazit 3: ... ausser wir werden verarscht.

Nehmen wir einmal an, die 13 Miglieder sind nicht so grottenschlechte Kommunikatoren und auch keine Organisationspfeiffen. Nehmen wir einmal an, die Herren (hier gilt die männliche Form NICHT automatisch für beide Geschlechter) wüssten genau, was sie tun. Dann würde die Geheimniskrämerei und die kommunikativen Fehltritte bezüglich elitär ausserordentlich viel Sinn machen.

Im Marketing gibt es mehrer Möglichkeiten, ein Produkt zu positionieren. Eine davon ist die Positionierung über das Lebensgefühl. Ein elitärer oder arroganter Beigeschmack kann hier durchaus Sinn machen. Wie beispielsweise in der Bentley-Werbung:
























Via Werbeblogger.

Mal angenommer, das war Absicht, dann ist die Strategie erfolgreich. Weil SwissBlogPress einen elitären Charakter hat, wollen jetzt 30 weitere Blogs beitreten. Blogs, die sonst wohl kaum auf die Idee gekommen wären, so schnell einen Antrag zu stellen bei einem Verein, der ihnen so gut wie nichts bietet. Der nicht einmal so tut, als wollte er etwas bieten. Und das ohne genau zu wissen, welche Kosten auf die neuen Mitglieder zukommen. Nehmen wir mal an, das war eine geschickte Strategie, dann könnte SwissBlogPress jetzt alle 30 Anträge gutheissen, den Jahresbeitrag auf 1000 Franken festlegen und hätte so ohne Mühen ein hübsches Sümmchen beisammen.

Nehmen wir einmal an, dass es so ist, dann würden auch plötzlich die verschiedenen Posts auf den Gründungsblogs Sinn machen, die sich vor der Gründungsverkündung mit Blogqualität beschäftigten, oder? Und wenn wir derart hinters Licht geführt würden, dann wäre es ja auch sinnvoll, Kommentare unbeantwortet, Kritik unerwidert und negative Schlagzeilen unerwähnt zu lassen. Zur Erinnerung: Bentley-Werbung (siehe oben). So jemand kommentiert nicht. Er steht darüber. Und das wird bewundert. Gerade deshalb will man einen Bentley.

Aber all das sind bloss Spekulationen, heruntergewurstelte Hirngespinste, tastaturisierte Selbstverliebheiten. Nicht ernsthaft recherchierte Tatsachen. Und auch kaum glaubhaft. Schliesslich werden die uns doch nicht wirklich verarschen wollen, oder?

PS: Mit diesem Post habe ich mich übrigens für eine Mitgliedschaft bei SwissBlogPress disqualifiziert. Mit Absicht ;-)

PPS: Lesenwert ist auch dieses kleine Gedichtchen nach Mani Matter von bloggin’ chm.

16 Kommentare:

Roman hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass Du Dich damit disqualifiziert hast. Eigentlich im Gegenteil, wie ich finde.

Meine GEdanken zum Thema, etwas früher geschrieben, sind hier:
http://blog.yoda.ch/?p=499

Daniela A. Caviglia hat gesagt…

Kein Problem, Roman, mein Blog mit PEP wäre sowieso zu jung. Und die Vorgabe, dass nur Blogs aufgenommen werden, die ein gewisses Alter haben, kann ich zumindest gut nachvollziehen. Schliesslich könnten sonst alle Eintagsfliegen beitreten...

der bugsierer hat gesagt…

nach dem mitgliederbeitrag hab ich in meiner bewerbung auch gefragt und keine antwort bekommen. in meinen comments hat dann ein leser das geheimnis gelüftet und am sonntag hat sbp in einem posting den betrag bestätigt. +++ deine bewertung der sbp-story trifft den nagel auf den kopf. gut gedacht, gut gemacht. so haben langweilige samstage auch ihr gutes. +++ die frage bleibt weiterhin im raum, ob wir verarscht werden oder ob sich sbp selber verarscht.

twenty9 hat gesagt…

Gratulation zum tollen Blogbeitrag! sbp ist arrogant, mehr nicht.

Daniela A. Caviglia hat gesagt…

@bugsierer

100 Franken also. Liegt ja noch im Rahmen. Grosse Sprünge kann man damit ja nicht machen.

@twenty9

Die Frage ist aber immer noch: Ist diese Arroganz Absicht, sprich Marketingstrategie?

der bugsierer hat gesagt…

nöö, strategie ist das wohl nicht. dafür orte ich bei sbp viel zu wenig marketingkompetenz und davon würde es für eine solche strategie ja sehr viel brauchen.

Christian Schenkel hat gesagt…

Ausgewogen, gut recherchiert und fantasievoll illustriert. Gute Werbung für ihre Firma "Präsenz und Effizienz"

Daniela A. Caviglia hat gesagt…

@bugsierer

Eben! Wäre das beabsichtigt, dann wäre es schon eine Meisterleistung. Ob sbp diese Fähigkeiten hat, kann ich jedoch nicht beurteilen, dafür kenne ich die Herren zu wenig.

Daniela A. Caviglia hat gesagt…

@Christian Schenkel

Eben das ist es ja nicht:
>Aber all das sind bloss Spekulationen, heruntergewurstelte Hirngespinste, tastaturisierte Selbstverliebheiten. Nicht ernsthaft recherchierte Tatsachen.<

Jedenfalls nicht aus journalistischer Sicht. Aber trotzdem danke für das Kompliment, falls es denn eines war ;-)

Oder ist das eine Art Geständnis, dass ich mit meiner Vermutung richtig liege und sbp die Ereignisse der letzten Woche absichtlich so steuerte? *sehrgespanntblick*

Christian Schenkel hat gesagt…

Ich kann nicht mehr sagen, als ich schon im sbp-Blog gesagt habe: Wir sind ein loses Netzwerk von Blogs, die sich zusammengeschlossen haben, um gemeinsame Interessen zu verwirklichen. Wir haben ein minimales Budget (13 x CHF 100.-) und verfügen nur über etwas Freizeit, um das ganze Projekt hochzufahren. Wir wollen in unserem Netzwerk Blogs vereinigen, die sich an einem bestimmten (Fach-)Thema orientieren, und weniger ihre persönlichen Geschichten in den Vordergrund rücken. Man kann dies als elitär interpretieren, wenn man will. Wir wollen in unserem Netzwerk Blogs vereinigen, die eine gewisse Konstanz im Publizieren aufweisen. Eben keine Eintagsfliegen. Man kann dies ebenfalls als elitär interpretieren, wenn man will. Wir sind offen für neue Blogs, die diese Kriterien erfüllen und sich bei uns engagieren wollen. Konkrete Dienste für die Mitglieder sind in der Pipeline. Wir arbeiten mit Hochdruck daran und möchten sie möglichst bald vorstellen. Schliesslich sind wir jetzt an die Öffentlichkeit gegangen, weil es so einfacher ist, Partnerschaften und Kooperationen einzugehen. Wir wissen, dass noch nicht alles optimal läuft und arbeiten – soweit es unsere Ressourcen zulassen – daran.

P.S.
Meine persönliche Motivation, mich für sbp zu engagieren, ist, die traditionellen Medien und die Öffentlichkeit darauf zu sensibilisieren, das Bloggen mehr sein kann als: «Aber all das sind bloss Spekulationen, heruntergewurstelte Hirngespinste, tastaturisierte Selbstverliebheiten. Nicht ernsthaft recherchierte Tatsachen.»

Daniela A. Caviglia hat gesagt…

*grins*

Aber grad die Hirngespinste machen das Ganze doch spannend ;-)

Also doch kein Geständnis, schade! Hätte euch und mir grad nochmal ein Bisschen Publicity verschafft...

Christian Schenkel hat gesagt…

tja, tut mir leid, wenn ich dem Ballon etwas Luft rauslasse. Wir arbeiten an sbp. Und es macht Spass ;-)

Daniela A. Caviglia hat gesagt…

Spass ist immer die Haupstsache! Und die Luft ist nicht raus, wir werden ja noch gelesen, oder? ;-)

der bugsierer hat gesagt…

@ daniela: potz blitz, da musste wohl zuerst eine frau auf den putz hauen, bevor sich einer der ko-präsis mal herab lässt, ein paar worte zu sagen.

@ christian: leider wiederholst du hier vorwiegend, was an anderer stelle schon gesagt ist und du versäumst es einmal mehr, substantiell auf die kritik einzugehen. stattdessen gehst du zum gegenangriff über, was ich als schlechte gesprächskultur bezeichnen möchte, und redest dich mit zeitproblemen heraus. wer ein solches projekt mit solchen ansprüchen und euerm "selbstbewusstsein" anreisst, muss das erforderliche zeitbudget vorher einkalkulieren. und wer einen blogverein aufmacht, muss dem wesen der sache entsprechend vorbildlich kommunizieren.

Einer der 13 Elitären hat gesagt…

Daniela! Wir brauchen Dich als Mitglied!

Daniela A. Caviglia hat gesagt…

*hehehe*
Merci fürs Angebot. Momentan habe ich jedoch nicht vor, mir eine weitere Baustelle aufzutun. Wär ja schliesslich schön, ich könnte neben der ganzen Verbands- und Vereinstätigkeit, dem Bloggen und Bücher schreiben, der Forenbetreuung und all dem anderen Krimskrams noch was tun, was Geld einbringt...

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